Produktratgeber Plug & Play Solaranlagen

Lesen Sie in diesem Produktratgeber alles zu Plug & Play Solaranlagen, oft auch Balkonkraftwerk genannt. Von technischen Erklärungen, Tipps vor dem Kauf, über die optimale Nutzung, bis zur korrekten Entsorgung.

von Steffen Hepp

Produktratgeber Plug & Play Solaranlagen

Das Potential zur Stromerzeugung durch Sonnenenergie in der Schweiz ist riesig. Momentan beträgt die Sonneneinstrahlung auf die gesamte Fläche der Schweiz 200 Mal mehr, als die Schweiz an Energie verbraucht. Laut einer Studie des BFE beträgt das ausschöpfbare Solarstrom-Potenzial auf Schweizer Gebäuden bei 67 Milliarden Kilowattstunden. Das sind 115% des heutigen Stromverbrauchs der Schweiz. 2023 lag der Anteil von Solarenergie im gesamten Schweizer Strommix erst bei rund 8%.

Das Gute ist, alle können dazu etwas beitragen, wenn es auf dem Balkon, im Garten oder auf dem Dach einen sonnigen Platz für eine kleine Stecker-Solaranlage hat. Das Vorgehen ist einfach, hier finden Sie alle wichtigen Informationen.

Erste Energieversorger belohnen die Installation einer solchen Plug & Play Solaranlage sogar mit einem Förderbeitrag.

Förderprogramme

Geben Sie Ihre Postleitzahl ein und machen Sie den Check, ob Sie von Förderbeiträgen profitieren können.

Was ist eine Plug & Play Solaranlage?

Plug & Play Solaranlagen sind die einfachste Möglichkeit, selber Solarstrom zu produzieren und im Haushalt zu verbrauchen. Die Leistung ist auf maximal 600 Watt beschränkt, was mit ein bis zwei Solarpanels erreicht werden kann. Ein Panel misst etwa 100 × 170 cm, ein Wechselrichter wandelt den Strom für das Hausnetz um. Der Strom aus den Panels fliesst über einen Standard-Stecker und eine Aussensteckdose ins Haus, weshalb man auch von Stecker-Solaranlagen spricht. Für die Installation braucht es keine Bewilligung, es gibt aber eine Pflicht, die Anlage beim Elektrizitätswerk anzumelden.

Tipps für den Kauf und die Installation

Wo kann ich Plug & Play Solaranlagen bestellen?
Eine Liste an ausgewählten und sicheren Plug & Play Solaranlagen finden Sie in unserer Produktliste. Dort können Sie Leistungen und Preise vergleichen und finden den Link zum jeweiligen Online-Shop.

Beachten Sie, dass sich die Preise der Balkonsolaranlagen relativ häufig leicht ändern. Das hängt damit zusammen, dass die Verkäufer unterschiedliche Solarmodule-Modelle importieren, je nach Verfügbarkeit und Einkaufspreis.

Welche Voraussetzungen gibt es für das Aufstellen einer Plug & Play Solaranlage?
Sie brauchen eine Aussensteckdose, in die der produzierte Strom eingespeist werden kann. Wenn keine Steckdose im Aussenbereich Ihrer Wohnung oder Ihres Hauses vorhanden ist, können Sie einen Elektriker beauftragen entweder eine Aussen-Steckdose zu installieren oder Sie müssen die Hauswand durchbohren, um ein Kabel ins Hausinnere zu verlegen.

Muss ich meine Anlage beim Vermieter melden oder bewilligen lassen?
Sie sollten Ihren Vermieter vorab über das Vorhaben informieren und die Zustimmung am besten schriftlich einholen. Eine Mustervereinbarung, welche Sie bei der Einholung der Bewilligung bei Ihrem Vermieter unterstützt, finden Sie hier zum Download.

Muss ich meine Anlage bei meinem Elektrizitätswerk melden oder bewilligen lassen?
Alle Anlagen, die Sie auf Topten finden, sind bewilligungsfrei.

Es gilt aber eine Meldepflicht bei Ihrem lokalen Energieversorger. Sie müssen die Anlage vor Inbetriebnahme gemeldet haben. Bei EKZ finden Sie eine Vorlage für das Meldeformular bzw. wird die Anmeldung direkt für Sie erledigt. Ein weiteres Beispiel gibt es auch bei ewz.

Verlangen Sie beim Kauf die Konformitätserklärung der Anlage. Diese brauchen Sie später für die Meldung an Ihr Elektrizitätswerk.

Beachten Sie: Wenn Sie Ihre Solaranlage später mit mehr Solarmodulen auf mehr als 600 Watt ausbauen möchten, müssen Sie eine Bewilligung einholen. Grundsätzlich schreibt das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI in einer Stellungsnahme, dass nur Anlagen mit einer AC-seitigen Nennleistung von gesamthaft maximal 600 Watt bewilligungsfrei sind.

Brauche ich einen neuen Stromzähler?
Solarstrom, den Sie nicht selbst im Haushalt verbrauchen, wird automatisch ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Viele Anbieter honorieren die Netzeinspeisung – entweder zum aktuellen Einspeisetarif oder im Rahmen einer pauschalen Vergütung.

Welche Arten von Plug & Play Solaranlagen gibt es?
Jede Plug & Play Solaranlage besteht aus einer individuellen Kombination von Solarmodul(en), Wechselrichter(n) und Zubehör. Im Wesentlichen lassen sich zwei Arten von Solarmodulen unterscheiden:

  • Dünne und flexible Panels (Abbildung links). Diese sind sind sehr leicht und können etwa mit Kabelbindern einfach an einem Balkon, einer Fassade oder einem Zaun befestigt werden. Sie haben eine Tiefe von wenigen Millimetern und gleichen damit einer Plane.

  • Standard-Panels (Abbildung rechts). Dies ist der gängige Solarmodultyp. Es sind die gleichen, die auch bei grossen PV-Anlagen zum Einsatz kommen. Sie haben einen Metall/Alu-Rahmen und sind mehrere Zentimeter dick (3-5 cm). Häufig haben sie Standardmasse von ungefähr 100 × 170 cm.


Dünnes Panel, nur millimeterbreit


Standard-Panel mit Rahmen und Glas

Wie lässt sich die Produktion messen?
Dazu gibt es einfache Messgeräte, welche wie ein Verlängerungskabel zwischen Steckdose und Solaranlage eingefügt werden, z.B. Brennenstuhl PM 231. Es gibt auch intelligente Messgeräte, welche mit WLAN die Daten übertragen, so dass Sie am Computer den vollständigen Überblick haben, vgl. z.B. myStrom WiFi Switch.

Beachten Sie, dass solche Messgeräte im Aussenbereich einen guten Schutz vor Wetter und Feuchtigkeit benötigen.

Was ist bei der Montage und Inbetriebnahme zu beachten?
Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass das passende Material für die gewünschte Art der Aufstellung dabei ist. Sie müssen es ggf. als Zubehör beim Anbieter erwerben. Es gibt verschiedene Halterungen, etwa für die Befestigung am Balkongeländer oder eine Aufständerung zur Befestigung auf einem Schrägdach oder im Garten. In jedem Fall sollten Solarmodule und Wechselrichter sturmsicher befestigt werden, da das Panel nicht nur der Sonne, sondern auch dem Wind eine grosse Angriffsfläche bietet. Der Untergrund oder das Geländer sollte das Gewicht der Anlage problemlos tragen können.

Der Modul-Wechselrichter wird in der Regel direkt am Modulrahmen des Solarpanels befestigt. Handelt es sich um einen String-Wechselrichter, der den Strom mehrerer Module gebündelt in Wechselstrom umwandelt, kann der Ort mit etwas mehr Flexibilität gewählt werden. Letztlich hängt es davon ab, wie lang das DC-Kabel (vom Solarmodul zum Wechselrichter) ist. Das AC-Kabel (vom Wechselrichter zur Steckdose) wird in die hauseigene Aussensteckdose gesteckt. Sowohl DC- als auch AC-Kabel können bei Bedarf verlängert werden (Schutz vor Witterung beachten).

Den höchsten Ertrag liefert eine Ausrichtung der Solarpanels gegen Süden mit einer Neigung zwischen 25-40°. Es lassen sich jedoch gute bis sehr gute Erträge mit abweichender Ausrichtung und Neigung erzielen. Am meisten Strom produziert die Solaranlage, wenn die Sonnenstrahlen in einem Winkel von 90 Grad auf die Kollektoren treffen, sprich exakt senkrecht. Da der Sonnenstand im Tagesverlauf variiert, kann der Einfallwinkel bei festen Modulen jedoch nicht zu jeder Zeit optimal sein.

Es ist zudem darauf zu achten, dass möglichst selten Schatten auf die Solaranlage fällt. Auch eine Teilverschattung kann die Leistung des gesamten Moduls erheblich reduzieren kann.

Kann ich meine bestehende Solaranlage vergrössern?
Ja. Wenn Sie mit Ihrer Plug & Play Solaranlage zufrieden sind, aber noch mehr eigenen Strom produzieren wollen, können Sie Ihre Anlage zur einer "vollwertigen" Solaranlage aufstocken und dafür relativ einfach weitere Solarmodule installieren. Dabei ist zu beachten, dass eine solche Erweiterung nicht mehr als Plug-&-Play-Anlage gilt und andere rechtliche sowie technische Anforderungen erfüllt werden müssen. Dies sollten sie mit einem Elektriker abstimmen. Er kann Sie über die rechtlichen Bedingungen einer grösseren Anlage aufklären (z.B. Baugenehmigung) und die notwendigen Installationen vornehmen (z.B. Umverdrahtung der Hausverteilung, Einbau Smartmeter, Wechselrichter).

FAQ

Oft wird die Frage gestellt, ob eine Solaranlage überhaupt in der Lage ist, mehr Energie zu erzeugen als ihre Herstellung und ihr Transport benötigt hat. Die Antwort ist ja. Grundsätzlich kann man festhalten, dass sich eine Plug & Play Anlage innerhalb von 2 Jahren energetisch amortisiert. Mehr dazu in einem Artikel von Energie-Experten.

Einige Shops (z.B. ewz, EKZ, Primeo-Energie) bieten die Möglichkeit, für die entstehenden CO2-Emissionen aus der Herstellung von Produkten freiwillige Klimaschutzbeiträge zu leisten. Diese Beiträge werden in anerkannte Klimaschutzprojekte investiert. Die Klimabeiträge sind in den Preisen bereits enthalten und können nicht abgewählt werden. Mehr über MyClimate hier.

Die Paybackzeit ist abhängig vom Preis sowie der realen Produktion der installierten Anlage.

Beispielsrechnung: Eine Anlage mit 600 W Leistung bringt unter guten Bedingungen einen Ertrag von 600 kWh pro Jahr. Bei einem Strompreis von 30 Rp./kWh ergibt sich eine jährliche Ersparnis von 180 CHF. Bei einem Kaufpreis von 1‘000 CHF ist mit einer Payback-Zeit von rund 6 Jahren zu rechnen. Solarmodule sind sehr langlebig und können über 20 Jahre Strom produzieren. Nach einem Vergleichsmodel von EKZ hat ein Einpersonenhaushalt mit tiefem Stromverbrauch einen Jahresverbrauch von 600 kWh.

Wichtiger als die Payback-Zeit bei Plug & Play Solaranlagen ist jedoch, dass man damit etwas Gutes tut: man schont die Umwelt und spart CO2 ein. Zudem ist man in Zeiten von steigenden Strompreisen unabhängiger.

Ja, in geringem Masse – und zwar durch Verbrauch des Stroms möglichst während der Erzeugung.

Die Solaranlage produziert am meisten Strom zur Mittagszeit, wenn die Sonne am höchsten steht. Der Stromverbrauch im Haushalt hingegen erreicht seine Höchstwerte typischerweise am Morgen sowie am Abend. Um zur Mittagszeit mehr selbst produzierten Strom nutzen zu können, ist es möglich, beispielsweise die Akkus des E-Bikes aufzuladen – auch wenn das nur Kleinstabnehmer sind. Andere Haushaltsgeräte, wie Geschirrspüler oder Waschmaschine, lassen sich auf die Mittagszeit vorprogrammieren. Gesamthaft betrachtet ist das Optimierungpotential jedoch überschaubar.

Der Strom geht den „kürzesten Weg“. So wird er durch den Anschluss an die Aussensteckdose direkt in den Stromkreis Ihres Haushalts angeschlossen. Dort versorgt er andere Geräte, die am gleichen Stromkreis angeschlossen sind – wie etwa Kühlschrank, Fernseher oder Spülmaschine. Erst, wenn der eigene Stromkreis vollständig versorgt ist, fliesst überschüssige Energie in das Netz des Versorgers.

Nein. Dies ist eine Schutzvorrichtung. Wechselrichter müssen bei Stromausfall automatisch abschalten. Bei Netzausfällen müssen Reparaturen am Stromnetz vorgenommen werden, für die das Stromnetz spannungsfrei sein muss. Es dürfen daher in solchen Fällen keine Energieerzeugnisanlagen, die ans Netz angeschlossenen sind, Strom einspeisen können.

Sie sollten Ihren Vermieter vorab über das Vorhaben informieren und die Zustimmung am besten schriftlich einholen. Eine Mustervereinbarung, die Sie bei der Einholung der Bewilligung bei Ihrem Vermieter unterstützt, finden Sie hier zum Download.

Sie müssen Ihre Anlage beim Elektrizitätswerk auf jeden Fall anmelden. Der zurückgespeiste Solarstrom muss seit Januar 2024 rückvergütet werden. Entweder pauschal oder via Smartmeter (falls diese bereits vorhanden sind).

Ein einfacher Weg, die produzierte Leistung zu erfassen, ist ein Messgerät, welches in die Aussensteckdose gesteckt wird, bevor man das Kabel vom Wechselrichter einsteckt. Es gibt Versionen, die über ein kleines Display verfügen (z.B. Brennenstuhl PM 231) und es gibt Versionen mit Wifi, die es ermöglichen die Werte online einzusehen (z.B. myStrom WiFi Switch 2).

Wer bereits mit einem Smart Meter ausgestattet ist, sollte darauf auch die ins Netz zurückgelieferte Menge Strom angezeigt bekommen.

Es gibt auch Energiezähler, die sowohl den produzierten Strom, den eigenen Verbrauch und die Einspeisung ins Netz erfassen können. Diese Energiezähler müssen jedoch verkabelt und programmiert werden. Dies sollten Sie daher einem Elektriker überlassen.

Es bestehen grundsätzlich keine Gefahren für Kinder oder Haustiere durch Plug & Play Solaranlagen. Alle stromleitenden Teile sind gut isoliert wie jedes andere technische Gerät im Haushalt auch und vorgeschriebene integrierte Sicherheitsmassnahmen in der ausgereiften Technik bannen die Gefahr einer Überlastung im Stromkreis. Wichtig ist es nur, die Panele sicher zu montieren damit sie bei Sturm nicht herabfallen oder durch den Garten fliegen.

Die optimale Ausrichtung der Solarpanels ist gegen Süden mit einer Neigung zwischen 25–40°. Es lassen sich jedoch gute bis sehr gute Erträge mit abweichender Ausrichtung und Neigung erzielen. Am höchsten ist der Ertrag der Solaranlage, wenn die Sonnenstrahlen in einem Winkel von 90° Grad auf die Kollektoren treffen, sprich exakt senkrecht. Da der Sonnenstand im Tagesverlauf variiert, kann der Einfallwinkel bei festen Modulen jedoch nicht zu jeder Zeit optimal sein.

In der Schweiz produzieren PV Module in den Sommer- und Frühlingsmonaten ungefähr drei Viertel ihrer Erträge. Unter anderem, weil im Winter die Tage kürzer sind und die Sonneneinstrahlung weniger intensiv. Bei Wolken und Nebel wird die Sonneneinstrahlung „diffus“, d.h. gestreut; sie trifft deshalb ohnehin nicht direkt auf die Panele und die genaue Ausrichtung ist weniger wichtig.

Hat man einen Installationsrahmen, mit dem sich die Neigung leicht anpassen lässt – was bei Plug & Play Solaranlagen einfacher ist als bei fest installierten PV-Anlagen – kann man im Winter die Anlage auf die dann optimale Neigung von 55 Grad anpassen und für den Sommer wieder zurückstellen. Falls man zwei hintereinander aufgestellte Panele hat, sollte man bei der steileren Neigung im Winder jedoch darauf achten, dass das vordere Panel keinen Schattenwurf auf das hintere Panel verursacht.

Solarmodule haben eine recht lange Lebensdauer. Häufig haben sie eine Garantiezeit von 20 Jahren. Noch funktionierende Solarmodule können Sie problemlos an den neuen Wohnort mitnehmen oder als Occasion weiterverkaufen.

Haben Ihre Solarmodule das Ende ihres Lebenszyklus erreicht und erbringen nicht mehr die gewünschte Leistung, sind defekt oder beschädigt, können Sie die Solarmodule bei einem Recyclinghof abgeben. Gegebenenfalls wird dafür eine kleine Gebühr fällig.

In der Regel ist die Abgabe aber kostenlos für Sie, da für die Module bereits vom Anbieter/Importeur eine vorgezogene Recyclinggebühr (vRG) entrichtet wurde.

Das Recycling von Solarmodulen ist relativ einfach. Die Module bestehen zu 80-90 Prozent aus Glas. Metalle wie Kupfer, Silber (Lötverbindungen) oder Aluminium (Rahmen) und Kunststoffe machen rund weitere 10-20 Prozent aus. Der eigentliche Kern der Module, der Halbleiter, macht nur 1-2% des Modulgewichts aus. Das Recycling findet in speziellen Anlagen statt, da einige Elemente, wie Silber und Kupfer, zu den Umweltgiften gehören und daher nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen dürfen.

Weiterführende Informationen

  • Swissolar : Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie

  • ESTI : Eidgenössisches Starkstrominspektorat ESTI

Empfohlene Produktkategorien

Wir verwenden Cookies auf unserer Website. Die Datenverarbeitung kann nur mit Ihrer Einwilligung erfolgen. Sie haben das Recht, nur in essenzielle Cookies einzuwilligen und Ihre Einwilligung zu einem späteren Zeitpunkt zu ändern oder zu widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unserer Cookie-Policy.

Cookie Policy

Einstellungen verwalten

Unbedingt erforderlich
Erforderlich, damit die Website korrekt funktioniert.
Analyse
Erfasst den Datenverkehr auf der Website zur Analyse.